Pressestimmen: "Schlamassel"

(Sylvia Obst, TLZ, 31.05.2014)Spritzig-witziger Schlamassel feierte Premiere Ein Hoch auf Christiane Weidringer als jüdische Heiratsvermittlerin – Hof des Naturkundemuseums war restlos gefüllt Altstadt. Was für ein Abend! Christiane Weidringer hat in den vergangenen Jahren des Öfteren die Erfurter erfreut mit ihrem Spiel. Immer war es witzig, humorvoll und voller Ideen, ganz gleich ob sie uns Till Eulenspiegel (als seine Mutter) oder Sagen aus aller Welt (Odyssee) nahe gebracht hat. Es steckte immer auch viel Wissen dahinter und eine eingehende Beschäftigung mit dem Thema. Doch was sie jetzt unter „Schlamassel“ anbietet, ist wohl im wahrsten Sinne des Wortes die Krönung. Und zudem eine, auf die Erfurt geradezu gewartet hat. Die jüdische Geschichte der Stadt erlebt seit einiger Zeit eine Aufwertung durch die AIte Synagoge und den dort präsentierten Schatz mit dem jüdischen Hochzeitsring als besonderem Prunkstück. Damit und mit den darüber hinaus - unter anderem die mittelalterliche Mikwe - dargebotenen Besonderheiten strebt die Stadt zu Recht nach der Anerkennung als Unesco Weltkulturerbe. Alles das gehört irgendwie zu diesem Abend der Christiane Weidringer dazu, die mit dem Stück „Schlamassel“ auf ebenso eindringliche wie amüsante Weise ihrem Publikum vieles erklärt rund ums Judentum. Am Vorabend zu Christi Himmelfahrt war Premiere dieser Uraufführung - ein sehr passender Termin. Jung und Alt sind in großer Zahl erschienen und absolut begeistert. Mit hundertfachem Bravo ward die Künstlerin geehrt, die das Zwei-Stunden-Programm völlig allein stemmt. Aber auch Regisseur Harald Richter und natürlich ebenso Ausstatter und Puppenbauer Matthias Hänsel werden am Ende euphorisch gefeiert. Dabei fängt der Abend gar nicht so gut an. Es regnet ohne Ende, kühl ist es zudem. Die Akteure des Erfurter Theatersommers verlegen das Spiel aus dem Hof des Naturkundemuseums in den (fast) benachbarten Saal des Café Nerly. Dort ist es zwar warm und regensicher, aber sehr eng auf den herein geschleppten Bierbänken und Nothockern. Das macht nichts. Das Spiel entschädigt die mehr als 200 Gäste für alles. Rund um das wichtigste jüdische Fest, die Hochzeit, entwickelt Weidringer in der Rolle einer Heiratsvermittlerin ein Fest der Sprache, der Gebräuche, der Geschichten. Die stammen aus der Bibel, der Thora (die hebräische Bibel, für Juden ,,Das Buch der Bücher") und anderswoher. Auch Witze und Kalauer sind dabei. ,,Abraham sprach zu Bebraham: Kann ich mal dein Zebraham?" Bei allen Witzen lernt man viel über das Judentum. Über Joshua, Milka Töchterchen Marmel, die sich in David verliebt. Und warum so ein durch die, Heiratsvermittlerin geschlossener Ehevertrag ein „Schlamassel“ genannt wird, wenn er platzt. Meistens, weil den Brauteltern das Geld für die Mitgift ausgeht, wie in unserem Falle. Christiane Weidringer entführt als Heiratsvermittlerin in eine andere Zeit. „Früher ging man zum Rabbi, heute geht man zum Psychiater...“, sagt sie beiläufig. Zwischen ihren Geschichten und Personen, die entweder von ihr oder den ihrerseits aufgebotenen Puppen (und deren unterschiedlichen Stimmen) dargebracht werden, liegt quasi die ganze Philosophie der Bibel. Sehr unterhaltsam und so erzählt, dass es jeden interessiert, dass es jede/r versteht. Ganz gleich, ob man schon mal was übers Judentum gehört hat oder nicht. Mit Tüchern, Bändern, Töpfen, Kannen, kleinen Utensilien und großen Weisheiten aus dem jüdischen wie auch dem christlichen Glauben verzaubert die Akteurin ihr Publikum. „Ein jegliches hat seine Zeit..., und auch die Liebe hat ihre Zeit...“ Eine sehr schöne Geschichte ist die von der Königin der Leuchtkäfer, die dafür sorgt, dass es hell genug wird, um die Thora zu lesen - die Zuschauer sind begeistert. Ähnlich begeistert sind die Gäste von den Stationen einer (jüdischen) Hochzeit. Da kommt auch die Mikwe ins Spiel, das rituelle Tauchbad im kalten Wasser am Fluss. ,,Igitt, wie kalt ist das denn!", ruft die hübsche Braut(puppe) und hüpft empor. Das verstehen auch die jüngsten Zuschauer. Ebenso das Schattenspiel zwischen König und liebendem Prinzen oder den Wandel des Tempels in den Erfurter Hochzeitsring. Es ist zweifellos das Paradestück des Abends, Höhepunkt und wundervolles Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Regisseur, Ausstatter und Spielerin. Der Jubel im Publikum kennt keine Grenzen. „Der Hochzeitsring ist das Symbol für Tempel, Synagoge und Haus, in dem das Paar künftig leben wird.", gibt es als Erklärung.