Pressestimmen: "Regentrude"


(Katrin Steinke, ERFURTER ALLGEMEINE, 23.11.2007)
Eine Rückkehr zu vorchristlichen Naturmythen wagt das Figurentheater Christiane Weidringer am Sonntag zur Zeltpremiere in der Barfüßerruine. In ihrem Ein-Frau-Stück haucht die Mimin Theodor Storms "Regentrude" neues Leben ein. Von Katrin STEINKE

"Dunst ist die Welle, Staub ist die Quelle..." Kaum einer, der sich der uralten Beschwörungsformel zur Erweckung der Regentrude entziehen kann. Die Suche zweier Menschenkinder während einer Dürreperiode nach der Regen spendenden Sagengestalt ist heute so aktuell wie 1866, als Storm sein Kunstmärchen zu Papier brachte. (Gerade in Zeiten globaler Erwärmung: "Natürlich spielen in Storms Märchen. umweltpädagogische Aspekte eine große Rolle: die beinahe vergessene Verbundenheit des Menschen mit den verletzlichen Schätzen der Natur", erklärt Weidringer, für die das Stück auch eine Frauengeschichte ist. "Immerhin sind es hier weibliche Heldinnen, die sich für den Fortgang des Lebens einsetzen." Denn gegen die verheerende Hitze des Feuersmannes ist es allein der von ihrer Urahnin überlieferte Spruch Mutter Stines, die die schlafende Regentrude erwecken kann. Die Bauerstochter Maren macht sich auf den abenteuerlichen Weg, die feengleiche Frauengestalt gegen die üblen Machenschaften des Feuerteufels anzurufen. In ihrem kurzweiligen Spielformenmix aus Puppentheater und darstellendem Spiel verkörpert Weidringer alle Rollen: ist abwechselnd Mutter Stine und Wiesenbauer, spielt die Puppen der beherzten Maren, ihres Andrees und des hinterlistigen Feuermannes und erwächst zuletzt selbst zur sagenumwobenen Regentrude. Regie führte wieder Harald Richter. Für die fantasievolle Ausstattung zeichnete Matthias Hänsel verantwortlich. Einfühlungsvermögen beweist Weidringer nicht nur bei der musikalischen Untermalung auf ihrer Geige, sondern auch bei der Einbeziehung des jungen Publikums in ihr Spiel. Kinderhände werden zu verdorrten Zweigen, Haarschöpfe zu verbrannten Grasspuren des Feuermanns in einer besonders wertvollen Inszenierung, die Natur hautnah erfahrbar macht.