Pressestimmen: "Don Quichotte"


(Sylvia Obst, TLZ, 14.07.2008) "Es hält sie nichts mehr auf den Sitzen. Sie springen auf und applaudieren wie wild. Etwa 400 Leute haben sich eingefunden im Innenhof der Musikschule und lassen sich von Beginn an verzaubern von Christiane Weidringer und Klaus Michael Tkacz mit ihrer ungewöhnlichen, aber für die beiden Akteure typischen Interpretation eines Klassikers. Nach dem "Parzifal" und "Ärger auf Walhall" steht nun "Don Quichotte" auf dem Programm - Freitag feierte er Premiere.

In der Regie von Harald Richter, mit einer Bühneneinrichtung von Ulrike Mitschke und der musikalischen Beratung von K.C. Kaufmann spielen sich Weidringer und Tkacz um Kopf und Kragen und tief in die Herzen des Publikums, Da wechseln sprachliche Gags mit denen der Verkleidungen so fix, dass es eine Freude ist. Eigentlich gehören Weidringer und Tkacz zu einem Schauspielensemble aus Kasachstan, das in Thüringen auf Tournee gehen wollte. Aber Tkacz hat die Leute kaum bezahlt, und so sind sie verschwunden.Noch dazu mit den meisten Requisiten. Deshalb muss für den "Don Quichotte" herhalten, was übrig blieb: ein Windapparat, ein Schäfchen und eine Windmühle.

Da es sich um ein versprengtes kasachisches Ensemble handelt, ist gebrochenes Deutsch die Bühnensprache. Der Bart des Quichotte wird kurzerhand vom Brusthaar des Herrn Quichada entrissen und mit einem Kaugummi am Kinn des Ritters angebracht. Bei den Rollenwechseln arbeitet man mit Stoff und Filz. Und so folgen die Zuschauer Quichotte und seinem Knappen durch die spanischen Ebenen. Da gibt es spanische Fischsuppe, denn: "Spanische Fischsuppe ist wie russische Fischsuppe!" Und die Balalaika, die glücklicherweise auch noch im Fundus vorhanden ist, verbreitet - in der Tat! - spanische Atmosphäre.

So zaubern sie ein Bild nach dem anderen auf die Bühne. Ein Leiternkonstrukt entpuppt sich dabei als ungeheuer wandelbar. Daraus entsteht Quichottes Pferd Rosinante ebenso wie das Wirtshaus am Horizont, das zur Burg wird, oder gar Weinschläuche.

Und dann, nach der Pause, geht es nach Toboso zu Dulcinea. Dort gesellen sich zum Weidringer-Tkacz-Ensemble noch kleine Stabpüppchen und später auch Zauberer Freston sowie Herzog und Herzogin. Zudem -ein Höhepunkt- das ultimative Zauberpferd.
"Sancho, wo bin ich?" fragt Don Quichotte zwischenzeitlich. Das haben garantiert auch die Zuschauer ab und an vergessen: Wo sie sind. Denn bei dieser rasanten und vor Ideen nur so strotzenden Schau, der wahrscheinlich humorvollsten Interpretation des Don-Quichotte-Stoffes, da kann man schon mal vergessen, wo man gerade ist. Wegen der vielen Lacher vielleicht, oder weil die zwei da oben sich justament absolut zum Affen machen ob ihrer Kostüme. Oder weil man einfach glücklich ist über die dargebotene "wunderbare Welt des Wahnsinns". Das kann man wahrlich genießen und alles ringsum vergessen."


(Matthias Huth, TA, 14.07.2008)
Erfurter Theatersommer mit einer bejubelten Interpretation des "Don Quichotte"

"Schon die pfiffige Grundidee sorgt dafür, dass "Don Quichotte" zum Renner der diesjährigen Spielzeit wird: Der kasachische Regisseur Igor hat sein Ensemble nicht bezahlt. Nun steht er samt seiner Frau Olga vor dem Problem, die Europatournee mit der spanischen Saga nur zu zweit und mittels kärglichen Requisiten spielen zu müssen.

Beide Akteure machen aus der Not der eventuell scheiternden Europatournee eine Tugend. Denn sie wollen aus ihrem Dorf Semipalatinsk nach Spanien reisen, um dort ihr Heldenepos am Originalort aufzuführen. Und so löst die Souffleuse und Bühnenbildnerin das Dilemma nach anfänglichem Zögern damit, den verzweifelten Gatten anzuspornen und mit Sackkarren, Instrumentenhüllen, Klammern, Windmaschine, Balalaika, Wollschaf, Hammer, Becken, Schlegel, Rohr und einer Tischwindmühle die komplette Szenenfolge sowie alle handelnden Personen zu imaginieren.

Zum andauernden Vergnügen des Publikums, was sich in Überzahl am Freitagabend im Hof der Musikschule einfand, gelingt dieses Theaterwunder. Staunend, lachend und auf anspruchsvolle Weise unterhalten erlebt man pausenlos kreative Umbauten und überraschende Umnutzungen ohne dass dabei Geschichte oder Rahmenhandlung verloren gehen.

Dass "Don Quichotte. Das wahnwitzige Theaterstück" zum Sommerhit geriert, liegt zunächst an den beiden Erzkomödianten Christiane Weidringer und Klaus Michael Tkacz. Nach den Erfolgsproduktionen "Parzival" und "Ärger auf Walhall" kann man die neue Premiere durchaus als krönende Entwicklung bezeichnen, ob man den Maßstab nun an spielerischer Perfektion, komischem Talent, Ensemblegeist oder der Ausdrucksvielfalt anlegt.

Indem die Requisiten quasi zur dritten Spielfigur mutieren, werden ständig originelle Sichtweisen produziert. Und spätestens an dieser Stelle sei auch Regisseur Harald Richter zu loben, der Cervantes Epos in Utopie, Komik und tragischen Momenten ernst nimmt, und trotz leichter Machart durchaus auch philosophisch tiefe Momente erzeugt. Es schmälerte das Vergnügen des künftigen Publikums, würde man alle innovativen Umsetzungen des Stoffes verraten. So seien hier stellvertretend nur die umwerfend komische Wandlung Weidringers von Dulcinea zu Sancho Panza und das schwarzhumorige Massakrieren eines Stoffschafes erwähnt.

Auch musikalisch ist das Duo Weidringer/Tkacz gereift. Flamencoakkorde auf der Balalaika, gekoppelt mit alphornähnlichen Tönen eines Metallrohrs sind wohl nicht allzu weit von der kasachischen Seele entfernt, und auch Kinoheld "Borat" grüßt im anarchischen Geiste. Mehr kann man von Sommertheater nicht erwarten, und so wäre, unabhängig von den jubelnden Standing Ovations des Premierenabends zu prophezeien, dass dieser "Don Quichotte" trotz kleiner Längen im zweiten Teil durchaus das Zeug zu einem echten Thüringer Exportschlager hat. Bravo!"


(msr, Altmühl-Bote, 08.08.2008)
Kleine Bühne - große Wirkung
Im Wolframs-Eschenbacher Kirchhof brillierte ein Schauspielerduo

"Eine gelungene Premiere hatte "Don Quichotte de la Mancha - Das Wahn-Witzige Theaterstück" am Mittwochabend auf dem Kirchhof. Noch bis einschließlich Sonntag wollen die beiden Schauspieler Christiane Weidringer und Klaus Michael Tkacz unter der Regie von Harald Richter ihr Publikum verzaubern.
Bürgermeister Michael Dörr begrüßte die Schauspieler und das Publikum zur ausverkauften ersten Vorstellung im Rahmen der diesjährigen Sommertheaterreihe. Alle 160 Karten für die knapp zweistündige Aufführung mit Pause dazwischen waren schnell vergriffen. Die beiden Erfurter Schauspieler Klaus Michael Tkacz und Christiane Weidringer sind in der Wolframstadt keine Unbekannten. Bereits in den Jahren 2005 bis 2007 spielten sie die Wolframs-Eschenbacher Sommertheaterstücke ("Viel Ärger um Walhall" 2006 und "Parzival" 2005 und 2007) und hatten schon damals großen Erfolg.

Mit "Don Quichotte - Ein Wahn-Witziges Theaterstück" bietet das Duo in der Tat etwas ganz Besonderes, genau genommen zwei Stücke in einem. Der eine Handlungsstrang ist natürlich die Geschichte vom tragischen Helden Don Quichotte. Sollte aber jemand mit diesem Stoff nicht allzu viel anfangen können, ist der Freude deshalb noch lange kein Abbruch getan. In erster Linie geht es nämlich um zwei Mimen, die die Don-Quichotte-Geschichte aufführen wollen, und daher erst in zweiter Linie um den Don, Sancho Pansa, Dulcinea und all die anderen.
Igor und Olga, Überbleibsel einer kasachischen Schauspieltruppe mit minimalen Requisiten, improvisieren, tricksen und basteln so gut es geht die verschiedenen Szenen der Quichotte-Handlung auf die kleine Bühne. Wichtigstes Utensil ist dabei eine unglaublich verwandlungsfähige Rollleiter, die je nach Bedarf zu Haus, Pferd oder Windmühlenflügeln umfunktioniert wird, und das, während das Geschehen auf der Bühne ununterbrochen weitergeht. Was kompliziert klingt -und wohl auch ist, auch wenn es für den Zuschauer so entspannt aussieht als gäbe es nichts Einfacheres -, ist dermaßen clever in das Geschehen eingebaut, dass daraus ein Höhepunkt nach dem anderen entsteht. Ein Lehrstück des Minimalismus, was Ausstattung betrifft, ein Meisterstück, was Witz, Tempo und Handlungsdichte anbelangt.

Witzige Dialoge und wahnwitzige Vorgänge auf der Bühne - das "Wahn-Witzige Theaterstück" verdient diesen Titel voll und ganz."


(Lara Hausleitner, Fränkische Landeszeitung, 08.08.2008)
Mit zwei Sackkarren nach Spanien
Absurder Spaß um den "Ritter von der traurigen Gestalt" auf der Freilichtbühne

Absurder Humor und große Bilder: Klaus Michael Tkacz als trauriger Ritter Don Quichotte und Christiane Weidringer als mopsiger Sancho Pansa.

Als Don Quichotte am Ende stirbt, nachdem er seine Träume und Ideale verloren hat, ist das richtig traurig auf der kleinen Freilichtbühne am Liebfrauenmünster in Wolframs-Eschenbach. Zum Glück steht er aber gleich wieder auf. War ja alles nur gespielt, von Igor und Olga aus Kasachstan. Und weil hoffentlich ganz viel Publikum zu den Vorstellungen kommen wird, können die beiden bestimmt irgendwann nach Spanien reisen, um sich dort eine eigene Insel zu kaufen. Sie träumen noch.
Die Schauspieler und Figurenspieler Christiane Weidringer und Klaus M. Tkacz sind in der Dichterstadt längst bekannt und locken mittlerweile ein Stammpublikum zu den kleinen, feinen Sommerspielen auf dem Wolframs-Eschenbacher Kirchplatz. Zweimal waren sie mit ihrer schrägen "Parzival"-Produktion hier, einmal mit der verrückten Götterkomödie "Ärger auf Walhall". Ort der zentralen Handlung ist diesmal Spanien, der Held ist Don Quichotte, der berühmte "Ritter von der traurigen Gestalt", der gegen Windmühlen und Weinschläuche und für die Liebe kämpft.
Die Helden der Rahmenhandlung sind die schrille Olga und der ebenso geizige wie idealistische Igor. Der ist Prinzipal einer wandernden Truppe von Schauspielern aus Kasachstan, die sich aber auf dem Weg nach Spanien, wegen der miesen Gagen aus dem Staub gemacht haben, ausgerechnet in Wolframs-Eschenbach. Bloß Olga ist noch da - neben zwei Sackkarren, einer Leiter, einer Balalaika, einer Windmaschine, einem Hammer, einer Angel, ein paar Instrumentenhüllen aus Schaumstoff und einer Tüte mit stinkenden, glitschigen Fischen.

Wie immer ist es, faszinierend, was Weidringer und Tkacz aus so einem Minimum an Requisiten zaubern. Die Sackkarren, flugs mit der Leiter verbunden, können zu rotierenden Windmühlenflügeln werden, zu einem Thron für Dulcinea, zum fliegenden Pferd öder gar zu einem ganzen Wirtshaus. Und zum Totenbett für Don Quichotte, den verwirrten Helden, der an der Welt gescheitert ist.

Die Schaumstoffhüllen werden zur Ritterrüstung, zum breitkrempigen Hut des Sancho Pansa oder zum eleganten Gewand der Herzogin, zu Gucklöchern, zur Puppenbühne auf der Bühne. Die Angel ist Schwert, Fernglas und Trompete, Die Fische sind, igitt, glibbriges Hirn getöteter Feinde.

Und die Röcke Christiane Weidringers lassen sich zum Kugelbauch des Knappen hochstopfen oder herauszerren, so dass sie wie Wein aus den von Don Quichotte geschlitzten Schläuchen strömen. Prächtig, wie die Inszenierung hier mit Wahrnehmung und Vorstellungskraft der Zuschauer spielt: Der Ritter glaubt, er kämpfe nicht mit Weinschläuchen, sondern mit bösen Zauberern, die er bluten sieht. Er erkennt in dem Wein Blut - während in der Imagination der Zuschauer der fließende, rote Stoff zum Wein wird und zum Blut, das nur der Ritter sieht.

Wunderbar absurd auch der Disput über den Moment, als Don Quichotte in Cervantes' Roman das Seifenbecken eines Barbiers für Mambrins goldenen Helm hält: Weil Olga und Igor kein Seifenbecken mehr haben, wird ein Konzert-Becken kraft Vorstellung des Publikums zu dem Barbierbecken und in der Phantasiewelt Don Quichottes wie auch der Zuschauer zudem zur Trophäe.

Klaus Tkacz gibt den Ritter mit wildem Haar und irrem Blick, ein verwegener Kerl, der auch das Liebesleid voll auskosten will und sich dafür von der Windmaschine schrecklich zausen lässt. Christiane Weidringers Sancho Pansa ist ein bauernschlauer, schwatz hafter dicker Junge, der weiß, dass sein Herr durchgeknallt ist, der ihn aber trotzdem - oder gerade deshalb -liebt.

... Poesie und große Bilder bietet die Inszenierung jede Menge. Wenn zum Beispiel die Windmaschine ein Riesenkissen aufpustet, in dem der Ritter und seine erträumte Dulcinea als Schattenrisse tanzen, vor den mächtigen Schatten-Flügeln einer Windmühle. Oder wenn am Ende Olga und Igor auf einem Sackkarren-Leiter-Schaumstoff-Pferd gen Süden reiten. Oder reiten da Don Quichotte und Dulcinea?